Den demografischen Wandel in der Textil- und Bekleidungsbranche gestalten

Wer macht mit? Die Rollen betrieblicher Akteure

Die demografischen Herausforderungen, vor denen Ihr Unternehmen steht, können Sie nur gemeinsam bewältigen: Fach- und hierarchieübergreifend. Als Geschäftsführung, Betriebsrat, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin arbeiten Sie interdisziplinär zusammen. Möglicherweise holen Sie sich Wissen und Kompetenzen von externen Beraterinnen und Beratern hinzu. Dabei kommt Ihnen eine ganz besondere Bedeutung zu:

Ihre Rolle als Geschäftsführung oder Betriebsleitung

Sie sind gefordert, sich offensiv mit den Auswirkungen des demografischen Wandels auf Ihr Unternehmen auseinander zu setzen. Ebenso Ihr Gestaltungswille, Veränderungen zu initiieren. Es ist bedeutsam, dass allen Führungskräften und vor allem den Beschäftigten die Problematik des demografischen Wandels deutlich wird, um auch in den Fach- und Führungsebenen den Gestaltungswillen und die Veränderungsbereitschaft zu entwickeln. Lassen Sie Altersstrukturanalysen und Krankenstände grafisch aufbereiten, mit denen Sie die notwendige Sensibilität bei allen betrieblichen Akteuren schaffen. Ob in Meisterbesprechungen, auf Belegschaftsversammlungen, in internen Zeitschriften – die demografischen Herausforderungen sollten ein Thema sein und genauso Ihre Strategie, diesen erfolgreich zu begegnen. Dabei soll allen Beschäftigungsgruppen, ganz gleich, welchen Alters, deutlich werden, dass Sie in ihr Leistungsvermögen und ihre Fähigkeiten vertrauen und diese wertschätzen. Die offene und hierarchieübergreifende Kommunikation bildet die Basis für ein erfolgreiches Umsetzen solcher Projekte. Fördern und fordern Sie Hinweise ein – zur Belastungssituation und zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Unterstützung erhalten Sie durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit und den Arbeitsmediziner/die Arbeitsmedizinerin, sofern er/sie die betrieblichen Arbeitsplätze und Arbeitsabläufe kennt. Beide können Sie zu Gefährdungen und Belastungen beraten. Nutzen Sie auch die Arbeit des Betriebsrats, denn er hat – abgesehen von Informations-, Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechten – auch den Draht in die Belegschaft und kennt spezifische Schwierigkeiten in einzelnen Fachabteilungen möglicherweise genauer. Mit diesen betrieblichen Akteuren bearbeiten Sie demografische Herausforderungen gemeinsam, im besten Fall mit der Unterstützung externer Berater, die Ihnen das notwendige Fachwissen wie z. B. arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, geeignete Instrumente und ein ganzheitliches Vorgehen empfehlen und gemeinsam mit Ihnen auf Ihr Unternehmen spezifisch abstimmen können. Nehmen Sie gern Kontakt zum BIT auf und sprechen Sie uns –  die Mitarbeiter/innen des BIT aus dem textil-fit-Team – gerne an. Auch können Sie Leistungen der Offensive Mittelstand oder von unternehmensWert:Mensch erfragen.

Ihre Rolle als Betriebsrat

Bei der betrieblichen Umsetzung von Projekten zur alter(n)sgerechten Arbeitsgestaltung ist Ihre aktive Mitarbeit unerlässliche Voraussetzung. Nicht nur, weil Ihnen nach BetrVG umfassende Informations-, Beteiligungs- und Mitbestimmungsrechte zustehen, sondern auch, weil Ihre Teilnahme und Ihr aktives Mitwirken ein Zeichen einer wertschätzenden Unternehmenskultur darstellen. Idealerweise sollten Sie auch eigene Aktivitäten entfalten. Dies gelingt Ihnen, wenn Sie als Betriebsrat den Arbeits- und Gesundheitsschutz und damit die menschengerechte Arbeitsgestaltung als strategische Aufgabe erkennen und wahrnehmen. Platzieren Sie solche Themen in jeder Betriebsratssitzung. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz hat in Ihrem Handeln eine zentrale Bedeutung, denn insbesondere der demografische Wandel der Belegschaften und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit fordern auch von Ihnen eine hohe Sensibilität für dieses Thema und Aktivitäten zur alter(n)sgerechten Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Fordern Sie Hinweise zu Belastungen und Erschwernissen bei den Beschäftigten ein und bringen Sie mit Lösungsideen und Vorschlägen Veränderungen proaktiv auf den Weg. Fordern Sie die dafür notwendigen Ressourcen bei der Geschäftsführung ein und schreiben Sie ein gemeinsames Verständnis ggfs. in einer Betriebsvereinbarung verbindlich fest. Wenn eine Übereinstimmung zu den Zielen des demografischen Wandels zwischen der Geschäftsführung und Ihnen besteht, können Sie im günstigsten Fall auch die Projektleitung übernehmen sein. Die erfolgreiche Übernahme und Durchführung dieser Aufgabe durch den Betriebsrat ist im Projekt textil-fit eindrucksvoll bewiesen worden.

Ihre Rolle als Fachkraft für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner

Als Sicherheitsfachkraft oder Arbeitsmediziner/in haben Sie in Projekten zur Gestaltung des demografischen Wandels eine spezifische Aufgabe als Berater bzw. Beraterin. Sie können der Geschäftsführung bei der Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen und der Gestaltung von alternsgerechter Arbeit Hilfestellung geben. Diese unterstützende Aufgabe wird von den Geschäftsführungen und auch dem Betriebsrat häufig noch nicht erkannt oder eingefordert. Ursache dafür ist vielfach, dass in den mittelständischen Unternehmen - nicht nur der Textilbranche - die Leistungen zur Erfüllung der Anforderungen aus dem Arbeitssicherheitsgesetz durch externe Fachkräfte erbracht werden. Die Leistungen beinhalten aber zumeist nur Aufgaben der Grundbetreuung wie sie in der DGUV 2 beschrieben sind. Die betriebsspezifischen Aufgaben gemäß DGUV 2 werden nicht erfüllt.

Es ist aber sinnvoll, dass Geschäftsführungen und Betriebsrat Ihr spezifisches Fachwissen aus der Arbeitssicherheit und der Arbeitsmedizin in Anspruch nehmen, um körperliche und psychische Belastungen zu erkennen und durch gezielte Maßnahmen zu reduzieren. So können Sie erreichen, dass die ganzheitliche Gefährdungs- und Belastungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz inhaltlich vollständig durchgeführt wird und eine alternsgerechte und lernförderliche Arbeitsgestaltung realisiert werden kann. Die Voraussetzung ist allerdings, dass Sie – wenn Sie externe Fachkraft sind – die betrieblichen Arbeitsbedingungen kennen und auf dieser Basis gemeinsam mit den betrieblichen Verantwortlichen und Arbeitsgruppen Maßnahmen entwickeln und nach deren Umsetzung die Zielerreichung prüfen.

Die Rolle als externer Berater 

Sie verfügen über das notwendige Wissen, kennen geeignete Methoden und Instrumente. Sie brauchen das notwendige „Fingerspitzengefühl“, um gemeinsam mit dem Unternehmen maßgeschneiderte Prozesse und Vorgehen zu etablieren.

Bei der Gestaltung demografischer Themen sind Ihre arbeitswissenschaftlichen Kompetenzen, z. B. zur Arbeitsplatzgestaltung besonders gefragt, mit denen Sie technische und arbeitsorganisatorische Gestaltungsoptionen aufzeigen können. Sie vermitteln, dass Technik gestaltbar ist. Deswegen ist Ihre externe Unterstützung hilfreich. Die Anforderungen an Ihre Unterstützung können dabei sehr vielfältig sein.

Fest steht, als Beraterin oder Berater brauchen Sie das Vertrauen der Geschäftsführung, der Führungskräfte, des Betriebsrats  und der Beschäftigten gleichermaßen, denn Sie arbeiten hierarchieübergreifend mit allen Personengruppen. Sie sind in der Lage, Beteiligung hierarchieübergreifend einzufordern und zu fördern und diese Prozesse zu moderieren, um eine wertschätzende Unternehmenskultur zu initiieren. Ihre eingesetzten Methoden und Instrumente müssen die Hilfe zur Selbsthilfe im Sinne der Nachhaltigkeit ermöglichen. Dabei ist es notwendig, dass Sie sich als Teil des Unternehmens verstehen, mit dem Ziel, Wissen und Fertigkeiten zu vermitteln, die das Unternehmen befähigen die anstehenden Aufgaben langfristig selbstständig fortzuführen.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Initiative Neue Qualität der Arbeit Bundesministerium für Arbeit und Soziales

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