Den demografischen Wandel in der Textil- und Bekleidungsbranche gestalten

Geben Sie Ihren Beschäftigten eine Rückmeldung zu den Ergebnissen der Belastungsanalysen. Sortieren sie die Belastungen entsprechend des Ampelmodells (rot – gelb – grün) nach Wichtigkeit. Prüfen Sie dann gemeinsam mit Ihren Beschäftigten, der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Arbeitsmediziner sowie dem Betriebsrat, welche konkreten Veränderungen sinnvoll und machbar sind.

Hilfestellung bei der Entwicklung von Maßnahmen zur menschengerechten Gestaltung von Arbeitsplatz, Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung bieten auch die sogenannten gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse, die sich z. B. in zahlreichen Normen, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften und technischen Regeln (z. B. TRBS 1151) wiederfinden. Hier helfen auch Ratgeber weiter, wie sie z. B. von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (www.baua.de), der Initiative Neue Qualität der Arbeit (www.inqa.de), den Interessenvertretern der Sozialpartner sowie den Akteuren der gesetzlichen Unfallversicherung herausgegeben werden.

Das können Sie konkret tun:

Technik ist gestaltbar

Technische Lösungen aus dem Projekt finden Sie hier.

Arbeits- oder Hilfsmittel anschaffen

Ideen zum Einsatz solcher Hilfsmittel können Sie sich hier holen.

Arbeitsorganisation verbessern

Viel Potenzial zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen beinhaltet die bestehende Arbeitsorganisation und die damit verbundenen Arbeitsabläufe. Führungskräfte richten Ihr Blickfeld auf die gefertigten Meter/Stückzahlen und Qualität. Vorhandene Betriebsblindheit („haben wir schon immer so gemacht“) und vorhandener Zeitdruck verstellen häufig einen kritischen, analysierenden Blick auf effiziente, belastungsarme Arbeitsabläufe, vorgegebene Arbeitsmethoden und eingespielte individuelle Arbeitsweisen. Prüfen Sie daher systematisch, welche Tätigkeiten, Handlungen oder Abläufe insbesondere auch aus unter Berücksichtigung der Belastung der Beschäftigten effizienter gestaltet werden können. Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

Können Sie z. B. Laufwege verkürzen? Können Sie die räumliche Bereitstellung von Material, Hilfs- und Arbeitsmitteln optimieren? Überlegen Sie gemeinsam mit den Beschäftigten, welche organisatorischen Maßnahmen notwendig und sinnvoll sind, um auch psychische Belastungsfaktoren zu reduzieren.

Hierzu kann z. B. eine vorbeugende Instandhaltung oder eine konsequente Umsetzung der 5 S-Methode ebenso zählen wie eine Aktualisierung von Arbeitsanweisungen oder eine Verbesserung des Informationsflusses zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen. Ein Mangel an notwendigen Arbeitsmitteln kann zusätzlichen Zeitdruck bei den Beschäftigten verursachen. So beklagen sich z. B. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Weberei über eine unzureichende Anzahl an Kaulen, um die geforderte Anzahl an Aufträgen in der Weberei in der vorgegebenen Zeit abzuarbeiten.

Persönliche Schutzausrüstung verbessern

Haben Sie schon Sicherheitsschuhe mit trittdämpfenden Sohlen oder angepassten Gehörschutz – sogenannte Otoplastiken – getestet und im Einsatz?

Schonende Arbeitsweisen vorgeben

Sensibilisieren Sie Ihre Beschäftigten für eine gesundheitsförderliche Arbeitsweise, geben Sie diese vor. Denn Gesundheit am Arbeitsplatz ist auch eine Ihrer Führungsaufgaben! Oftmals ist die persönliche Arbeitsweise der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen umständlicher und belastender, als es der Arbeitsprozess und die geplante Arbeitsmethode erfordert. Haben Sie schon einmal beobachtet, dass Ihre Beschäftigten Hilfsmittel nicht nutzen? Oder dass Sie Rollen auf Paletten bearbeiten, die auf dem Hallenboden liegen? Die Arbeit würde dann schneller gehen, sagen sie. Noch spüren sie möglicherweise keine Anzeichen von körperlichen Beschwerden, die durch ständiges Bücken und Wiederaufrichten verursacht werden. Daher unterschätzen sie die Belastung, der sie sich selbst aussetzen. Und wenn es schmerzt, sind die gesundheitlichen Einschränkungen dauerhaft vorhanden.

Nutzen Sie das interaktive Lernmodul der BG ETEM zur richtigen Handhabung von Lasten. In diesem Modul erfahren Ihre Beschäftigten anschaulich, warum Sie es häufig "im Kreuz haben" und durch welche einfachen Verhaltensregeln sie dies wirksam vermeiden können. 

Bewegte Kurzpausen einlegen

Ausgleichsübungen sind besonders bei Tätigkeiten hilfreich, die statische Haltungsarbeit wie Sitzen oder Stehen erfordern. Wenige Minuten – am besten mehrmals pro Schicht – reichen, um Fehlhaltungen entgegen zu wirken. Nutzen Sie die Videoclips und Poster der DGUV. „Denk an mich, Dein Rücken!“ heißt die Kampagne mit einfachen Ausgleichs- und Kräftigungsübungen.

Ändern Sie die Tätigkeitszuschnitte Ihrer Beschäftigten

Reichern Sie die Tätigkeiten Ihrer Beschäftigten an (Arbeitsbereicherung/Job Enrichment) und qualifizieren Sie diese entsprechend. Achten Sie darauf, dass Ihre Beschäftigten nicht nur ausführende Tätigkeitselemente, sondern auch vorbereitende, organisierende und kontrollierende Tätigkeiten übernehmen können. Dies ist langfristig möglich, wenn Sie Ihre Arbeitsplätze von Einzelarbeitsplätzen hin zu Gruppenarbeitsplätzen entwickeln oder aber indem Sie einen belastungsarmen Arbeitsplatzwechsel umsetzen. So können Sie die Arbeit lernförderlich gestalten. 

Lassen Sie Ihre Beschäftigten an den Arbeitsplätzen rotieren

Achten Sie darauf, dass Ihre Beschäftigten zwischen Arbeitsplätzen wechseln, die unterschiedliche Belastungsanforderungen aufweisen. Körperliche Belastungen durch Gehen, Stehen und Sitzen machen bereits Möglichkeiten zum Belastungswechsel deutlich. Unter Instrumente finden Sie Vorlagen für Belastungsprofile und Arbeitsplatzkataster, die Sie für eine umfangreiche Belastungsanalyse nutzen können. Hier werden neben den körperlichen Belastungen auch die psychischen und Belastungen aus der Arbeitsumgebung berücksichtigt. Aus den Ergebnissen lassen sich sinnvolle Arbeitsplatzwechsel ableiten. Sorgen Sie dafür, dass die Beschäftigten diese Arbeitsplätze erst sicher in allen Details beherrschen, damit sie nicht überfordert werden und Stress erleben, aber auch die Arbeitsleistung wirtschaftlich erbracht werden kann. Hier bieten sich Lerntandems mit „Paten“ an. Mit dem belastungsorientierten Arbeitsplatzwechseln lassen sich auch psychische Belastungen reduzieren und Arbeit lernförderlicher gestalten.

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) Initiative Neue Qualität der Arbeit Bundesministerium für Arbeit und Soziales

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