Den demografischen Wandel in der Textil- und Bekleidungsbranche gestalten

Im Rahmen des Projektes textil-fit wurden in den Unternehmen nahezu 100 technische, organisatorische und personelle Maßnahmen umgesetzt. Die Umsetzung erfolgte entsprechend dem TOP-Prinzip, in der Rangfolge: Technik – Organisation – Personal. Nachfolgende Beispiele aus den Projektbetrieben können Ihnen Hinweise und Anregungen für Belastungsreduzierungen im eigenen Unternehmen geben:

Technische Maßnahmen

Technische Maßnahmen führen in erster Linie zu einer verbesserten Ergonomie, bewirken aber auch ablauforganisatorische Erleichterungen. Anschaffungen bzw. Veränderungen von technischen Hilfs- und Arbeitsmitteln reduzieren die körperliche Belastung. Diese Maßnahmen tragen zu einem vereinfachten Arbeitsprozess bei und bedeuten somit auch Produktivitäts- und Effizienzverbesserung. Beispiele aus dem Projekt finden Sie hier geordnet nach Arbeitsbereichen:

Weitere Beispiele aus dem Projekt sind:

Organisatorische Maßnahmen

  • Einrichtung von Infopoints in der Aufmachung, um die Kommunikation zu verbessern.
  • Einführung eines betrieblichen Vorschlagwesens, um Ideen der Beschäftigten berücksichtigen zu können
  • Rotation zum Belastungswechsel

Personelle Maßnahmen

  • Bewegte Kurzpausen 
  • Sicherheitsschuhe mit trittdämpfenden Einlegesohlen
  • Rotation zum Belastungswechsel 

Rotation zum Belastungswechsel

Arbeitsplätze haben unterschiedliche Anforderungen und somit auch unterschiedliche Belastungen. Gelingt es nicht, Belastungen technisch zu reduzieren – aus Kostengründen oder weil der Stand der Technik noch keine Lösung erlaubt, empfiehlt sich ein Belastungswechsel. Dieser gelingt, wenn die Beschäftigten entsprechend der unterschiedlichen Belastungen an ihren Arbeitsplätzen rotieren. Eine Grundlage dafür, wie am besten zwischen den Arbeitsplätzen gewechselt werden sollte, bildet das Arbeitsplatzkataster – ein Instrument, das als Ergebnis der Belastungsanalysen entsteht.

Das Arbeitsplatzkataster stellt die Belastungen aus den einzelnen Arbeitsplätzen grafisch dar. Werden hier die körperlichen Belastungen betrachtet, kann ein Wechsel der Tätigkeiten sinnvoll sein. Bereits die unterschiedlichen Belastungen bei der Durchführung der Arbeitsaufgaben durch Gehen, Stehen und die Körperhaltung sowie die erforderliche Lastenhandhabung (Halten, Tragen, Ziehen und Schieben) ergeben erste Ideen für einen belastungsorientierten Arbeitsplatzwechsel:

Voraussetzung dafür ist, dass die Beschäftigten die Tätigkeiten an den zu besetzenden Arbeitsplätzen sicher beherrschen, um ggf. eine Überforderung oder unsicheres Arbeiten zu vermeiden. Aus der Qualifikationsmatrix erhalten Sie wichtige Hinweise für notwendige Qualifizierungen (unter Aktiv werden finden Sie weitere Informationen zur Qualifikationsbedarfsanalyse und zur Qualifikationsmatrix):

Für die Tätigkeiten an der Krögel, dem Tafler und beim Aufschneiden werden weitgehend identische Anforderungen gestellt: grün = beherrscht die Teiltätigkeit in allen Situationen, gelb = beherrscht die Teiltätigkeit bedingt, rot = beherrscht die Teiltätigkeit nicht, schwarz = Teiltätigkeit muss (bislang) nicht beherrscht werden. Belastungen durch gebeugte/verdrehte Körperhaltung, das Ziehen und Schieben von Lasten, das Heben und Umsetzen von Lasten sind aber unterschiedlich ausgeprägt. Dies wird im Auszug des Arbeitsplatzkatasters deutlich:

Ein Arbeitsplatzwechsel kann hier ohne großen Qualifizierungsaufwand für die Beschäftigten 2, 4 und 6 einfach realisiert werden (vgl. Abb. 11). Die Mitarbeiter 6, 7, 8 und 9 sind „Neue“, die die Anforderungen der Arbeitsplätze bedingt (gelb) oder nicht beherrschen (rot). Eine Einarbeitung ist hier entsprechend zu gestalten und in der Personalreserve bei der Planung des Arbeitseinsatzes zu berücksichtigen. In der Praxis haben sich Lerntandems bewährt. Hier arbeiten eine erfahrene Fachkraft und eine Anzulernende bzw. ein Anzulernender für einen bestimmten Zeitraum gemeinsam am selben Arbeitsplatz. Die erfahrene Fachkraft bringt der Neuen bzw. dem Neuen die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten bei, um die Tätigkeit sicher, qualitätsgerecht und wirtschaftlich ausführen zu können:

  • die Maschine und die Parameter einzustellen
  • die Stoffbahnen in die Maschine einzuziehen und dabei die Einzugswege zu berücksichtigen
  • Unterschiede bei Kunstfasers und Baumwolle zu berücksichtigen
  • Verzüge und Fadenrichtigkeit zu erkennen und die Maschine danach einzustellen.

Bei der Selbsteinschätzung wurden nicht nur die vorhandenen Kenntnisse und Fähigkeiten der Beschäftigten erfragt, sondern auch deren persönliche beruflichen Interessen und Qualifizierungswünsche. Mitarbeiter 8 hat dabei angegeben, dass er gerne die Tätigkeiten an der Krögel, dem Tafler und beim Aufschneiden erlernen möchte. Er bot sich für ein Lerntandem an. Mit gelungener Einarbeitung und den positiven Erfahrungen durch den belastungsorientierten Arbeitsplatzwechsel, hatte dies positive Effekte für die anderen Beschäftigten. Er wirkte als „Promotor“ und motivierte andere Personen aus der Abteilung ebenfalls die Tätigkeiten eines anderen Arbeitsplatzes zu erlernen.

Beim Steppen und Laminieren fällt auf, dass die Beschäftigten die Tätigkeiten entweder vollständig in jeder Situation beherrschen (grün) oder gar nicht. Die Arbeit beim Steppen verlangt geringere inhaltliche Anforderungen als die Tätigkeit beim Laminieren. Eine Einarbeitungszeit wird hier vermutlich wesentlich kürzer sein. Eine erfahrene Fachkraft, die das Steppen in allen Situationen beherrscht (Mitarbeiter 1, 7 oder 8), unterstützt Anzulernende dabei,

  • die Maschine und die Parameter einzustellen
  • die Stoffbahnen in die Maschine einzuziehen und dabei die Einzugswege zu berücksichtigen
  • Kenntnisse zu erforderlichen Garnen und Knoten zu erlangen
  • die Nadel bei Bedarf zu wechseln.

Bislang mussten die Mitarbeiter 2, 3, 4, 5, 6 sowie 9, 10 und 11 die Tätigkeit an der Steppmaschine nicht beherrschen. In einem entsprechenden Lerntandem besteht die Möglichkeit sie als „Neue“ zusammen mit den Mitarbeitern 1, 7 oder 8 für diese Tätigkeit zu qualifizieren.

Um Lerntandems auch für das Laminieren anbieten zu können, sollten die Beschäftigten zunächst die Tätigkeiten sicher beherrschen, die sie bislang an den von ihnen besetzten Arbeitsplätzen nur bedingt ausführen können (gelb). Bei der Planung von Qualifizierungen ist es empfehlenswert, dass die Beschäftigten zunächst alle Teilaufgaben ihrer „Stammtätigkeit“ vollständig erlernen (sie entwickeln sich in der Qualifikationsmatrix entsprechend von gelb zu grün). Damit wird eine vergleichbare Ausgangssituation wie beim Steppen geschaffen. Es gibt erfahrene Fachkräfte (Mitarbeiter 3, 4, 5 und 6), die die Tätigkeiten in allen Situationen sicher ausführen können und Mitarbeiter (1, 2, 7, 8, 9, 10, und 11), die an einem weiteren Arbeitsplatz bislang noch nicht eingesetzt wurden. An das Laminieren werden die meisten Anforderungen gestellt. Dies gilt es bei der Einarbeitung der Beschäftigten zeitlich entsprechend zu berücksichtigen. 

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